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DIE ERDE UND IHRE SAKRALITÄT
Sr. Donna Geernaert, SC
Ich möchte beginnen mit einem Dank an jene, die die diesjährige Vollversammlung organisiert haben für die Einladung an mich, das Thema Ökologie als "neue Spiritualität, die Hoffnung und Leben für alle erzeugt" vorzustellen. Vor mehreren Jahren verfasste ich meine Dissertation über Teilhard de Chardin, und das ist eine gute Gelegenheit, einige jener Überlegungen wieder heraufzuholen. Die Einladung an eine Nordamerikanerin, über Ökologie nachzudenken, ist selbstverständlich besonders herausfordernd, da unsere industrialisierte Gesellschaft eine der hauptsächlichsten Verursacherinnen von Umweltverschmutzung ist.0.1
Ökologie
Der Ausdruck “ Ökologie ” kommt aus dem Griechischen oikos, “Haus”, und drückt Respekt und Sorge aus für die Erde als Schöpfung Gottes und Heimat des Lebens. Als relativ neue Wissenschaft, setzt sie eine Spiritualität voraus, die auf einer ethischen Grundlage steht, wo alle Wesen auf Erden einen einzigen Haushalt (oikos), ausmachen, und von einer Ökonomie (oikonomia) profitieren, welche das Aufblühen aller Formen des Lebens auf dem Planeten unterstützt. Sie handelt von den "Haushaltregeln", den Haltungen und Technologien, der Verhaltensweisen und der Wissenschaft, welche alle Bewohner des Planeten befähigt, unbegrenzt zu gedeihen. In diesem Zusammenhang beschreibt Sallie McFague eine ökologische Wirtschaft, die "uns einlädt, uns nicht als isolierte Individuen zu sehen, sondern als Hausgenossen". Dieses Wirtschaftmodell, fährt sie fort "fordert, dass Hausgenossen drei Hauptregeln beachten müssen: Nimm nur deinen Anteil, räume auf nachdem du dich bedient hast und halte das Haus in gutem Zustand für kommende Bewohner. Wir besitzen das Haus nicht; wir mieten es nicht einmal. Es ist uns geliehen für unsere Lebenszeit unter der Bedingung, dass wir die obigen Regeln einhalten, damit das Haus jene, die nach uns einziehen, ernähren, schützen, pflegen und erfreuen kann.”0.2
Unsere Antwort auf die gegenwärtige Umweltkrise stellt eine ernste Herausforderung an die Religionen der Welt dar. In der Tat haben kritische Stimmen Religion als bedeutsame Mitwirkende gegen die Zerstörung der Umwelt erkannt. Besonders der Historiker Lynn White sagt, dass die christliche Betonung eines transzendenten Gottes und der menschlichen Herrschaft über die Natur zu einer Abwertung der natürlichen Welt und zur Zerstörung ihrer Ressourcen geführt habe.0.3 Aber es gibt es eine wachsende Gruppe von Gelehrten, welche die Rolle erforschen, welche die Religion in der Auseinandersetzung mit Umweltfragen spielen könnte. In diesem Zusammenhang versuchte das Harvard Forum über Religion und Ökologie, Gelehrte auf dem Gebiet der akademischen Studien der Religionen mit Wissenschaftern, Politikern und Aktivisten zusammen zu bringen, um Partnerschaften zu fördern, um Langzeitlösungen auf einige der dringendsten Umweltprobleme zu erarbeiten und durchzuführen.0.4
Kosmologie
Während die Zeichen einer unmittelbar bevorstehenden Umweltkatastrophe immer klarer werden, wird die menschliche Tatenlosigkeit und der offensichtliche Mangel am guten Willen, wirksame Wege zu finden um dem Problem zu begegnen, immer rätselhafter. In diesem Zusammenhang unterstreicht der Ökologe Thomas Berry die Wichtigkeit der Kosmologie:
Die kosmologische Geschichte ist die grundlegendste Geschichte eines jeden Volkes, denn dies ist die Geschichte, die einem Volk seinen Sinn für das Universum gibt.... Alle menschlichen Rollen sind Fortsetzungen, Weiterentwicklungen, Ausdehnungen, und Erfüllung dieser Geschichte. So ist jedes kreative Handeln auf der menschlichen Ebene eine Fortsetzung der Kreativität des Universums.0.5
Im Augenblick, sagt er, haben wir eine Schwierigkeit, weil die Grundgeschichte, die im Zentrum der westlichen Zivilisation und Kultur stand, ihre Kraft verloren hat. Kurz, der Mangel einer überzeugenden Kosmologie hemmt das Handeln.
Die traditionelle christliche Kosmologie hat als ihre Quelle die ersten drei Kapitel aus dem Buch Genesis. Bibelwissenschafter sind sich einig, dass die Schöpfungsgeschichte aus Genesis 1, den Kontext des Babylonischen Exils widerspiegelt. Im babylonischen Schöpfungsepos, wurde die Welt aus den Überresten einer Riesengöttin geschaffen. Die Menschheit ist ein geringes, urtümliches Geschöpf, das gezwungen ist, den Göttern zu dienen, damit diese ausruhen können. Die Bibel, anderseits, erklärt ganz eindeutig, dass die ganze Schöpfung gut ist. Die Menschheit ist geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes und dazu berufen, an der Sabbatruhe Gottes teilzunehmen. Eine ähnliche Sicht kann in Genesis 2 gefunden werden, wo ein Wüstenmilieu vorausgesetzt wird, wo ein recht anthropomorpher God die Menschheit (adam) aus Staub (adamah) formt dann einen Garten pflanzt und adam hinein stellt, um diesen “zu bebauen und zu pflegen.” Kommentatoren zu diesem bekannten Text haben darin oft ein Argument für die Unterwerfung der Frau gefunden, was der offensichtlichen Gleichstellung der Geschlechter in Genesis 1 widerspricht. Die neuere Exegese, hingegen, schlägt vor, dass in Genesis 2, wie auch in Genesis 1, eine grundlegende Mann/Frau Gleichheit vertreten wird. Der hebräische Ausdruck adam (2:7) ist ein Gattungsbegriff und, bis die Unterscheidung von männlich und weiblich ish/ishah, (2:23) eintritt, bezieht er sich auf die eine Schöpfung, welche die zwei Geschlechter einschliesst. Im Licht dieser Studien, setzt sich die Behauptung der männlichen Überlegenheit erst innerhalb des Kontextes einer göttlichen Verurteilung wegen menschlichem Ungehorsam durch und ist eine Verfälschung der harmonischen Beziehung, die die Bundesformel aus Genesis 2,23 vorsieht. Ein neues Denken über die Vorherrschaft des Mannes über die Frau, deutet eine ähnliche Neubewertung der Beziehung der Menschheit zum Rest der geschaffenen Welt an. Somit, vielmehr als die Überlegenheit entweder des Mannes oder des Menschlichen zu unterstreichen, verurteilen diese Schöpfungsgeschichten implizit das ganze Muster von Beziehungen der Überlegenheit/Unterwerfung.0.6 So bietet die moderne Exegese neue Einsichten in die Bedeutung der biblischen Erzählung; aber der Text widerspiegelt weiterhin eine grundlegend statische Kosmologie.
Fortschritte in Wissenschaft und Technik im Lauf des letzten Jahrhunderts haben eine Explosion an Informationen über das Universum hervorgebracht. Währen Astronomen die Länge und Breite des Weltraums absuchen, erforschen Physiker die Funktionen von Atomteilchen und Wellen. Sowohl auf der makro, wie auch der mikro kosmischen Ebene bestätigen diese Forschungen die Weite von Raum und Zeit, die verborgene Einheit des Universums, das dynamische Wechselspiel von Chaos und Kreativität. Es gibt einen zunehmenden wissenschaftlichen Konsens über das sich ausweitende Universum, das seinen Anfang nahm in einem Energie Ausbruck (Urknall) vor etwa 15 Billionen Jahren, und über die sich entwickelnde Erdengemeinschaft, die zum Bewusstsein gelangte im Auftreten des Menschlichen. In einem hervortretenden Universum, sagt der Physiker Brian Swimme, “offenbart sich die Dynamik der Zeit in einer fortgesetzten Kreativität”, alles ist “genetisch verwandt”, und “unter sich verbunden”. “Jedes Wesen auf Erden ist eingebunden in das Funktionieren der Erde als ganzer; und die Erde als ganze ist intrinsisch für das Funktionieren jedes einzelnen Lebens Systems.”0.7 Weiter zitiert er die drei Grundgesetze des Universums als Differenzierung, Subjektivität und Communio.
Die Tatsache, dass diese neue wissenschaftliche Kosmologie empirisch begründet ist, verstärkt die Möglichkeit, dass sie zu einer transkulturellen Grundgeschichte wird, die eine religiöse Antwort fordert. Der Paleontologe und Jesuit Pierre Teilhard de Chardin gehörte zu den Pionieren dieser Art von Gedankengängen die es ihm erlauben, eine spirituelle Dimension in der kosmischen Evolution und eine kosmische Dimension in der christlichen Spiritualität festzustellen. Durch eine Analyse der Beziehung zwischen den psychischen und physischen Aspekten der Wirklichkeit, entdeckt er ein Gesetz des Komplexität-Bewusstseins. Wenn dieses Gesetz im Rahmen von evolutionärer Zeit oder Dauer gesehen wird, offenbart es ein ständiges Wachstum an Bewusstsein durch eine Abfolge von immer komplexeren Formen. Dabei gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der Entwicklungsprozess mit dem Auftreten des Menschen durch das kritische Denken aufgehört hat. Vielmehr könnte erwartet werden, dass der Prozess der wachsenden Komplexität und des wachsenden Bewusstseins weitergeht soweit die menschliche Gesellschaft ein Umfeld bietet, das viele Einzelne befähigt, nachzudenken, die Ergebnisse dieses Nachdenkens zu verbinden und so den Horizont und die Klarheit der Reflexion zu vergrössern. In der Anwendung des Gesetzes des Komplexitätsbewusstseins auf die Menschheit jedoch, ist sich Teilhard der menschlichen Autonomie bewusst und warnt vor einer organischen Krise in der Evolution: “Es besteht die Gefahr, dass die Elemente der Welt sich weigern, der Welt zu dienen - weil sie denken; oder klarer ausgedrückt, dass die Welt sich verweigert, wenn sie sich durch Reflexion wahrnimmt.”0.8 Er hofft, dass seine dargelegte Synthese von Glauben und Evolution den fortgesetzten Fortschritt der Menschheit unterstützen wird. Es ist möglich, sagt er, zugleich und ganz an Gott und an die Welt zu glauben, jedes durch das andere hindurch.
Christliche Perspektiven
In einem sich entwickelnden Universum wird Kosmos zu Kosmogenese und religiöse Begriffe, die aus einer früheren, eher statischen Weltsicht heraus formuliert wurden, passen nicht mehr. Als Antwort darauf werden christliche Theologen nicht nur versuchen, die Bedeutung der neuen Kosmologie in Verbindung mit der Lehre von der Schöpfung zu erforschen, sondern auch zentrale Glaubensinhalte und Lehren durch die Linse der zeitgenössischen Erfahrung neu zu interpretieren. Das kann entweder als Bedrohung oder als Chance wahrgenommen werden. Für einige scheint die neue Kosmologie eine Verunreinigung der Religion und ein Grund zu moralischem Zerfall. Andere freuen sich über die Möglichkeit, traditionelle Ansichten und Praktiken neu zu beleben durch Bilder und eine Sprache, die das 21. Jahrhundert ansprechen.
Sowohl traditionelle als auch neue Kosmologien halten dafür, dass Gott die Quelle ist von allem, was existiert, und dass er allen Wesen präsent ist. Auf welche Weise Gott handelt und präsent ist, ist allerdings sehr unterschiedlich. In der traditionellen Kosmologie, zum Beispiel, interveniert Gott als eine äussere Ursache, die alle Wesen zum Sein bringt. In der neuen Kosmologie wird Gott gesehen als eine innere Ursache, eine unmittelbare Gegenwart in der Entfaltung des ganzen Universums. Nach Cletus Wessels, “Diese Art des Schöpfungsverständnisses gibt uns ein tieferes persönliches Bewusstsein der intimen Gegenwart Gottes in uns und der inneren Einheit der menschlichen Person mit der ganzen Menschheit.”0.9 Indem Elizabeth Johnson die Frage des göttlichen Handelns in einer Welt des Zufalls und der blinden Geschicke betrachtet, findet sie grosses Potenzial in der Idee von der Partizipation nach Thomas von Aquin. “Eine der Stärken der Vision des Thomas von Aquin,” bemerkt sie, “ist die Autonomie, die er dem Geschaffenen durch seine Teilnahme am göttlichen Sein zuerkennt.” “Das ist eine echt nichtkonkurrierende Sicht von Gott und der Welt. Nach dessen Dynamik wachsen Nähe zu Gott und echte geschöpfliche Autonomie im direkten, und nicht im indirektem Verhältnis.” In diesem Denksystem, also, “zeigt sich Allmacht unweigerlich nicht als zwingende 'Macht über', sondern als souveräne Liebe, die ermächtigt.” Weiter, Gottes Selbsteinschränkung seiner Allmacht ist eine freie und gewollte Tat der Liebe.0.10
Aus christlicher Perspektive lädt ein sich entwickelndes Universum, in dem alles genetisch verwandt und unter sich verbunden ist, ein zur Betrachtung der kosmischen Gegenwart des Mensch gewordenen Christus. Ein Weg dahin ist jener des Teilhard de Chardin. Für ihn wird der grundlegende Prozess der Verbindung mit Gott durch Christus zu einer “Christogenese”, in der die Mysterien von Schöpfung, Inkarnation und Erlösung sowohl logisch als auch historisch verbunden sind.0.11 Durch die Inkarnation ist Gott eingetaucht in das sich entwickelnde Universum in der Form einer geschichtlichen Person, die fähig ist, die Liebe anzuregen und zu erleiden, die intrinsisch ist zur Schaffung von persönlichen Beziehungen. Es ist ein bestimmtes Ereignis, das auch gesehen werden kann als ein “besonders hoher Ausdruck eines Prozesses mit 'kosmischen' Dimensionen.” So bedeutet die Inkarnation Christi "endgültige Macht" über das Universum. Indem er sich in einem Raum-Zeit Kontinuum materialisierte, ist Christus so "verwachsen mit der sichtbaren Welt", dass er daraus nicht losgerissen werden kann, ohne die Grundfesten des Universums zu erschüttern.”0.12 Die Menschheit wird fähig, Gott zu erfahren, zu entdecken und zu lieben in der ganzen Länge, Breite und Tiefe der Welt in Bewegung. Das, sagt Teilhard, “ist ein Gebet, das nur in Raum und Zeit geschehen kann.”0.13
Für jene, die Christus nachfolgen, können moralische Entscheidungen nur in Verbindung sein mit den weltumkehrenden Werten des Reiches Gottes, das eingeleitet wurde durch das Leben, den Tod und die Auferstehung Jesu. In einer Welt der rechten Beziehungen, in der Mitgefühl, Barmherzigkeit und Verzeihung strukturelle Wirklichkeiten sind, muss das Reich Gottes durch überzeugende Kraft gelebt und verkündet werden. Die Abwesenheit der Richtigkeit in den gegenwärtigen Beziehungen zwischen Mensch und Erde jedoch, wird immer offensichtlicher. In diesem Zusammenhang beginnt die moralische Reflexion den inneren Wert der Natur zu bestätigen. Die Natur mit ihrem eigenen innewohnenden Wert vor Gott wird wahrgenommen als die neuen Armen und die Tat der Gerechtigkeit wird ausgedehnt zum Umarmen anderer Spezies, in der Suche nach einer lebendigen Gemeinschaft mit allem Leben.0.14 Wirtschaftliche Unterdrückung, Rassismus, Sexismus und Missbrauch der Erde, werden alle als zusammengehörend gesehen. Zu Menschenmord (Homizid), Selbstmord (Suizid) und Völkermord (Genozid) kommen die Übel von Ökozid, Biozid, und Geozid. So haben die Bischöfe der Philippinen Bewahrung und Schutz des Planeten als “das endgültige Anliegen für das Leben" bezeichnet.”0.15 Pamela Smith sieht die Grundpfeiler für die Umwelt Ethik in einer “umfassenden Ehrfurcht vor dem Leben und einer Hingabe an das Gemeinwohl.” Für Katholiken, bemerkt sie, könnte die grösste Motivation für eine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben und allem was ist, letztlich "unser Sinn für das Sakramentale" sein.”0.16
Eine neue Spiritualität für das Ordensleben
In einer Serie von Vorträgen über die Spiritualität der Erde, spricht Elaine Prevallet über eine Erweiterung und Vertiefung der Ordenshingabe im Dienst am Leben. Sie beginnt mit einer Reflexion über den Überlebensinstinkt, diesen tiefsten Instinkt für das Leben, den Pflanzen, Tiere und Menschen gemeinsam haben, und der sich ausdrückt im Trieb nach Besitz, im Sexualtrieb und in der Ausübung von Macht oder Beherrschung. Jedes Gelübde stellt eine menschliche Absicht dar, sich nach dem Fundamentalen auszurichten, der instinktive Energie nach dem Muster, das in der Schöpfung sichtbar ist. Armut bezieht sich auf Gegenseitigkeit, gegenseitige Abhängigkeit und Genügsamkeit, die jedem Lebewesen eigen ist. Ehelosigkeit spricht die Steuerung der sexuellen oder verbindenden Energie an zur Umwandlung in nichtbiologische Kreativität und Verantwortung zum Wohl des Ganzen. Gehorsam zielt auf die Treue von jedem lebenden Organismus ab, seine eigene Bestimmung zu erfüllen (Nische) innerhalb der Erden Gemeinschaft. Jedes Gelübde beinhaltet sowohl Widerstand gegenüber kulturellen Normen als auch Kreativität zur Erfindung alternativer Lebensstile im Einklang mit planetarischen Bedürfnissen. So werden Ordensleute versuchen, neue erdenfreundliche und gerechtigkeitsorientierte Wege zum Leben zu entwerfen, die ein kontra-kulturelles Zeugnis ablegen für Möglichkeiten, wie Menschen mit der gesamten Schöpfung in Harmonie leben können.0.17
Für Alexandra Kovats bieten die kosmischen Prinzipien Differenzierung, Subjektivität (autopoiesis) und Communio einen Kontext für ein neues Sehen und Benennen der drei Evangelischen Räte. Differenzierung, das kosmische Prinzip, das die reiche Vielfalt von Verschiedenheiten benennt, die im Universum gesehen werden können, ist verbunden mit dem Gelübde der Armut. Da dieses Gelübde sich in erster Linie auf die Verbindung mit den Gaben der Schöpfung bezieht, schlägt Kovats vor, dass es als das Gelübde der kosmischen Ehrfurcht umbenannt werden könnte. Dieses Gelübde fordert Ordensleute dazu heraus, mit der ganzen Schöpfung Gottes ehrfürchtig umzugehen und die reiche Vielfalt des Lebens zu ehren. Das Gelübde der Ehelosigkeit unterstreicht die Verpflichtung zur Liebe und bezieht sich besonders auf Beziehungen zu andern Menschen. Da das kosmische Prinzip der Communio ausdrücklich auf gegenseitige Abhängigkeit abzielt, könnte dieses Gelübde umbenannt werden als das Gelübde der Gastfreundschaft und Solidarität. Dieses Gelübde ruft Ordensleute auf, in Gerechtigkeit, in rechten Beziehungen mit allen unsern Schwestern und Brüdern zu leben. Im Licht des Prinzips der Subjektivität (autopoiesis), das sich auf die kreative Dynamik bezieht, die jedes Wesen dazu befähigt, sich selber zu werden, könnte das Gelübde des Gehorsams umbenannt werden als das Gelübde der Kreativität. Durch dieses Gelübde sind Ordensleute aufgefordert zu rechten Beziehungen im Umgang mit persönlichen und gemeinschaftlichen kreativen Energien, mit dem Zweck, in dieser Zeit und Kultur am Reich Gottes schöpferisch mitzuwirken.0.18
Abschluss
Eine ökologisch Spiritualität ruft Ordensleute auf, mit der ausgedehnteren Erden-Gemeinschaft zu wirken, um einen integralen planetaren Prozess zu gestalten. Sie soll sich auf die Wiedererlangung menschlicher Vertrautheit mit allen Lebewesen im ganzen Universum konzentrieren. Sie bietet eine neue Form des prophetischen Dienstes mit praktischen und mystischen Auswirkungen an. Eine solche ökologische Spiritualität wird beitragen zum Übergang von einer nicht lebensfähigen zu einer lebensfähigen Existenzweise für die planetarische Gemeinschaft. Ohne sie, gäbe es vielleicht weder Leben noch Hoffnung für irgend jemand in diesem unserm Erdenheim.
0.1. Jerome C. Glenn and Theodore J. Gordon, 2006 State of the Future, United Nations University Centre, pp. 1-7, identifies a number of variables.
0.2. Sallie McFague, “New House Rules: Christianity, Economics, and Planetary Living,” DFdalus 130 (2001), 125-140.
0.3. Lynn White, “The Historical Roots of Our Ecological Crisis,” Science 155 (1967), 1203-1207.
0.4. Eine Serie von 12 Vorlesungen an der Harvard Universität von Mai 1996 bis Juli 1998 prüfte das Thema Religion und Ökologie aus der Perspektive von zehn hauptsächlichen religiösen Traditionen: Buddhismus, Christentum, Konfuzianismus, Hinduismus, Stammesreligionen, Islam, Jainismus, Judentum, Shintoismus and Taoismus. Diese Zusammenkünfte brachten eine elf Bände umfassende Serie von Büchern über Welt Religion und Ökologie hervor. Nachdem diese Bücher Spezialisten zusammenführten, die zeitgenössische soziale und Umweltprobleme aus einer religiösen Perspektive untersuchten, sind diese ein wichticht Schritt nach vorn im Prozess der Identifikation ökologisch wichtiger Quellen innerhalb der einzelnen Traditionen. In der gleichen Richtung wurde das kanadische Forum über Religion und Ökologie gestartet an der Universität Toronto im März 2004 und der 24. - 26. Mai 2007 ist das Datum der Eröffnungskonferenz des Europäischen Forums zum Studium von Religion und Umwelt in Bamberg, Deutschland.
0.5. Thomas Berry, Evening Thoughts: Reflecting on Earth as Sacred Community (San Francisco: Sierra Club Books, 2006), p. 59. Berry, ein Priester aus dem Orden der Passionisten, der sich als Geologen bezeichnet, ist ein wichtiger Mitarbeiter auf dem Gebiet der Ökologie und ein Befürworter der Entwicklung einer neuen Kosmologie oder eine neuen Geschichte des Universums.
0.6. Die Interpretation von Genesis 2-3 wiederspiegelt die Exegese von Phyllis Trible, God and the Rhetoric of Sexuality (Philadelphia: Fortress Press, 1978), pp. 72-143.
0.7. Brian Swimme, “Science: A Partner in Creating the Vision,” in Anne Lonergan and Caroline Richards, eds., Thomas Berry and the New Cosmology (Mystic, CT: Twenty-Third Publications, 1987), pp. 86-89. Für eine neuere Abhandlung über das integrale Funktionieren des Universums, siehe die Beschreibung der Holon Theorie in Cletus Wessels, Jesus in the New Universe Story (New York: Orbis Books, 2003), pp. 48-59.
0.8. Pierre Teilhard de Chardin, The Phenomenon of Man, Bernard Wall, trans., (London: Fontana Books, 1959), pp. 253-254. The law of complexity-consciousness is summarized on pp. 328-338.
0.9. Wessels, op cit., p. 59.
0.10. Elizabeth Johnson, “Does God Play Dice? Divine Providence and Chance,” Theological Studies 56 (1996), 3-18.
0.11. Pierre Teilhard de Chardin, “Christianity and Evolution: Suggestions for a New Theology,” “Introduction to the Christian Life,” in René Hague, trans., Christianity and Evolution (London: Collins, 1971), pp. 182-183, 155.
0.12. Pierre Teilhard de Chardin, “My Universe”, in René Hague, trans., Science and Christ (New York: Harper and Row, 1968), p. 61.
0.13. Pierre Teilhard de Chardin, The Phenomenon of Man, p. 325.
0.14. Elizabeth Johnson, bezieht sich auf ein Verwandtschafts Modell, das “menschliche Wesen und die Erde mit allen ihren Wesen innerlich verbunden als Gefährten in der Gemeinschaft des Lebens sieht.” Women, Earth and Creator Spirit (New York: Paulist Press, 1993), p. 30.
0.15. Katholische Bischöfe der Philippinen, “Was passiert mit unserm schönen Land?” in Drew Christiansen and Walter Grazer, eds., “And God Saw That It Was Good”: Catholic Theology and the Environment (Washington: United States Catholic Conference, 1996), p. 317.
0.16. Pamela Smith, “Keystones of Environmental Ethics,” LCWR Occasional Papers, (Summer 2003), 13-21.
0.17. Elaine Prevallet, In the Service of Life: Widening and Deepening Religious Commitment (St. Louis, MO: Loretto Earth Network, 2002), pp. 23-51.
0.18. Alexandra Kovats, “Re-Visioning the Vows Holistically,” LCWR Occasional Papers, (Summer 2003), 23-30.
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