DIE STRÄHNE FÜR DIE LAIEN

 

 Sr Katrina Brill, RSJ

„Seht, ich schaffe etwas Neues“    Jesaia 43,19

Kontext und Methode:

 Dieses Thema "Laien" als Teil “der neuen Spiritualität des Lebens und der Hoffnung für alle” versteht sich im Kontext von Australien/Neuseeland. Meine Beispiele und Einsichten kommen aus meiner Zugehörigkeit zu den Schwestern des hl. Joseph vom Heiligsten Herzen, bekannt unter dem Namen “Josephites", einem australischen Orden, der gegründet wurde von der seligen Mary MacKillopand und Rev. Julian Tenison-Woods.

 Ich möchte die "Laiensträhne" präsentieren von den Herausforderungen und Möglichkeiten her, die diese unserer Kongregation  zur Zeit durch das Teilen unserer Charismen in jedem unserer Orden bringt für die Ausdehnung des Reiches und der Sendung Gottes.  Die Charismen werden von 'den Laien' und durch sie erkannt, so dass die kirchliche Gemeinschaft aus der Fülle des Geistes Gottes lebendig ist.

 Mein Brennpunkt ist jener einer apostolischen Kongregation, die bereits in Partnerschaften eingetreten ist mit verschiedenen Laiengruppen, die teilhaben am josephitischen Charisma. 

 

Zugrundeliegende Voraussetzungen:

Die zugrundeliegenden Voraussetzungen, die diese Ausführungen untermauern, können in den folgenden drei Zitaten zusammengefasst werden.

 Eine zentrale Überzeugung der Gruppe über  Partnerschaft mit den Laien am Kongress war

dass neue Beziehungen echter Gegenseitigkeit und Autonomie zwischen Ordenskongregationen und Laien dem geweihten Leben, der Kirche und der Welt neue Energie verleihen. 

Kongress  Rom 2004: Leidenschaft für Christus und Leidenschaft für die Menschheit:  Notizen der Gruppen.

 Ein Ordensleben, das sich selbst genügt, passt nicht mehr in diese Zeit hinein.. 

In Wirklichkeit lebt es “eingeschlossen” in sein eigenes Charisma, seine eigene Tradition, seine Werke, seine apostolischen Ausrichtungen, seine eigenen Beziehungen mit den Laien, seine eigenen Tätigkeiten, seinem internen Suchen (Kapitel, Zusammenkünfte, Gemeinschaftstreffen). 

Wir glauben, dass ein solches Ordensleben nicht mehr möglich ist, nicht nur wegen des von vielen Kongregationen erfahrenen Rückgangs an Mitgliederzahlen, sondern auch, weil dies ein existentieller Mangel an Treue der Dynamik der Gründer gegenüber wäre: in der Welt leben, ohne sich selbst zum Mittelpunkt zu machen.

 

UISG Nr. 132,  2006:  Was für ein Ordensleben für diese andere mögliche Welt? Sr. Maria Pilar Wirtz Molezun O.D.N. Sr. Maria Jose Torries Perez Ap.C.J.

 In unserm Josephiten Kapitel im Jahr 2001 erkannten wir, dass zu diesem Zeitpunkt unserer Geschichte eine Bewegung des Geistes uns offensichtlich dazu aufruft, neue Wege zu gehen, um das Charisma unserer Kongregation auf neue Weise zu leben und ihm ein neues Gesicht zu verleihen. 

Es entsteht eine neue Energie, wenn Menschen auf das Charisma in verschiedenen Weisen antworten. Die dringenden Bedürfnisse unserer Zeit zwingen uns dazu, als Kongregation mit jenen zusammen zu gehen, die Gott auf neue Weisen ruft, das Charisma in sich selbst zu entdecken. Wir sind berufen, kühn, mutig und risikofreudig genug zu sein, um die Charismen, die in den Herzen vieler Laien leben, zu honorieren und zu pflegen.

Schwestern des hl. Josef vom Heiligsten Herzen, Kapitel Dokument  Mit Hoffnung vorwärts 2001 Australien

 

Ein herausfordernder Weg...

 Für die Führungsverantwortlichen

Als Führungsverantwortliche bin ich fest überzeugt, dass unsere Kongregationen zu dieser Zeit in der Geschichte ein ''Fenster der Gelegenheiten' haben. 

durch die Laienbewegung allmählich verändert zu werden,

die Chance zu haben, dass die Charismen unserer Kongregation auf neue Weise zum Blühen kommen,

dass unsere besonderen Spiritualitäten von Laiengruppen geteilt, gelebt und entwickelt werden und

dass neue Gemeinschaften und kirchliche Dienste herausgefordert werden, inklusiv, diversifiziert und tolerant für Unterschiede zu sein ….

und das alles aufgrund der neuen Ausweitung der Sendung von Gott her um seines Reiches willen in unserer zerstückelten Zeit. 

 Es gibt auch die Gelegenheit, durch die Charismen jeder unserer Kongregationen die 'Laiensträhne' zu stärken und zu unterstützen, damit diese in die neue Spiritualität des Lebens und der Hoffnung für alle eingewebt wird.

 Als Kongregationen, so glaube ich, müssen wir weiterhin gleichzeitig,

die Meinung aufgeben, dass wir uns selbst genügen sollten und

überzeugend mit jenen zusammengehen, die Gott auf neue Weisen dazu aufruft, das Charisma in sich selbst zu entdecken.

 Wenn unsere Kongregationen das wirklich glauben, wird sich das in unsern Energien und unsern Strukturen zeigen.

 Ein kleiner Schritt, den die Josephitinnen in 'struktureller' Hinsicht getan haben ist, dass eine unserer Generalrätinnen das Portfolio 'Laien' (die unser Charisma teilen) wahrnimmt. Diese ist dafür verantwortlich, dass die Josephitinnen in ständiger Interaktion und ständigem Dialog mit den Laien bleiben durch Prozesse, Veranstaltungen und gemeinsame Formation.

 Die Führungsverantwortlichen der Schwestern des hl. Josef haben einen vier Jahre dauernden,  kongregationsweiten Prozess der Zusammenarbeit eingeleitet, um den "Kongregationsschatten" unserer josephitischen Kultur anzuschauen. Das ist ein Weg der ständigen Umwandlung, um unserer Kongregation zu helfen, unsere Gaben und das Muster unserer Angst, Arroganz, Anpassung, Ignoranz und unseres Mangels an Ehrlichkeit, alles deutlich auszudrücken, was die Veränderung und unser Vorwärtsschreiten als Kongregation daran hindert, einer neuen Zukunft entgegen zu gehen.

 

Herausforderungen für Führungsverantwortliche:

Was für Energien und Engagement kann das Führungsteam geben, um das gegenseitige Zusammenwirken von Kongregation und Laien zu fördern?  Wie zeigt sich dieses Engagement in den Strukturen unserer Kongregation und dem Organisieren und Unterstützen von bedeutsamen Veranstaltungen, Initiativen, Prozessen?

 

Was für Prozesse kann die Leitung in Gang setzen, um "Verschiebungen" in der Mentalität von Mitgliedern der Kongregation bezüglich der Ausdrucksweise des Charismas unserer Kongregation für Laien herbeizuführen?

 

 

Für Mitglieder

Vor einigen Jahren wies Sandra Schneider in Finding the Treasure (S. 95/96) darauf hin, dass Kongregationen berufen seien

‘jenen Dienst wahrzunehmen, der unter den Laien jene volle erwachsene Spiritualität und jenen Dienst fördert, zu dem das Konzil sie aufgerufen hat, wozu aber die Institution Kirche oft genug die Mittel und/oder die Bereitschaft nicht hat.’

 

Im Lauf der letzten dreissig Jahre hat unsere Kongregation, wie viele andere auch, eine Josephiten Assoziation  (3,000 +) ins Leben gerufen und sich mit andern Laiengruppen zu ‘Partnerschaften’ im Umfeld der Mission zusammen getan, um Führungspersonen in Pfarreien, Behörden, Mitarbeiterstab, Studenten und Kindern unserer Organisationen, Institute und Kollegien, wo immer unsere Schwestern wirken, mit unserm Charisma bekannt zu machen und Gastfreundschaft und Gebetsgemeinschaft in unsern Gemeinschaften anzubieten. Durch unsere Assoziationen, Affiliationen, Boards und andere ''Partnerschaften', laden wir Laien ein, einen ähnlichen Geist anzunehmen, wie Marcahel sagt:

 

in eine bestimmte Geschichte einzutreten

eine Sprache zu sprechen

eine Gruppe, zu der man gehören kann

eine Art zu beten

eine Arbeit/einen Dienst zu übernehmen

ein Gesicht Gottes zu sehen.     

 

 

Auf dem Weg zu einer wirkungsvollen Partnerschaft zwischen Ordensleuten und Laien zur Erfüllung von Charisma und Missionsverantwortung.   Die 56. Konferenz der Internationalen Konferenz von Generaloberinnen, Rom 2000

 

Theologische Überzeugungen in bezug auf die Berufung zur Heiligkeit und Ansichten über 'dazu gehören' verändern sich allmählich innerhalb der Kongregationen und unter den Laien.  Zum Beispiel hat sich unsere Theologie, sowohl bei Schwestern als auch bei Laien, von der Annahme, dass das Ordensleben der 'Stand der Vollkommenheit' ist verändert zur Einsicht, dass es eine ganze Menge Möglichkeiten gibt, um christliche Heiligkeit anzustreben    Auch wird jetzt das Charisma der Schwestern des hl. Joseph als im Zentrum stehend angesehen, und nicht mehr die Schwestern des hl. Josef im Zentrum mit den Laien ringsum in der 'Rolle der Helfenden’. Wir erkennen allmählich, dass dieses josephitische Charisma auch in Laiengruppen ist, und dass es auf viele verschiedene Weisen ausgedrückt werden kann. Wir alle sehen das Evangelium durch die Linse des Charismas, das uns zum Leben nach dieser Berufung in die Jüngerschaft  inspiriert und trägt.

 

 

 

 

 

Herausforderungen für Mitglieder und Leitende:

Was für Prozesse könnten wir weiterhin schaffen (getrennt und zusammen mit Laiengruppen) um      

unser wachsendes theologisch-spirituelles Verständnis

unsere je eigene Spiritualität

die verschiedenen Ausdrucksweisen des Charismas

die wandelbare Realität unserer Welt und Mission

zu vertiefen, damit uns allen geholfen werde in der Wahrnehmung, dass Gott durch die Laien etwas Tiefgreifendes tut, und dass wir gemeinsam wirksamer auf  die Bedürfnisse unserer Welt antworten können?

 

Weitere Herausforderungen, die sich abzeichnen

Führungsverantwortliche von Ordenskongregationen sind sich bewusst, dass wir, wie oben gesagt,  unser Charisma, über unsere eigenen Strukturen hinaus, ständig pflegen müssen. Manchmal habe ich jedoch den Eindruck, dass der Weg vorwärts nicht sehr klar ist und ich fürchte, dass es zu viele Gruppen gibt, die “josephitisch” werden möchten, dass wir mehr formale Strukturen der Zugehörigkeit brauchen, um 'diese neue Energie, aus der heraus die Leute auf verschiedene Weisen auf das Charisma antworten, zu schützen und in die richtigen Bahnen zu lenken.'

 Zu andern Zeiten fühle ich mich zu einem ganz anderen Denken herausgefordert. Ein australischer Theologe, Rev. David Ranson[1] sagt in seiner Sitzung mit unserer Kongregation, dass wir in diesem pluralistischen und globalen 21. Jahrhundert

‘auf der Schwelle sind zu einer neuen Ausdrucksweise des charisma-tischen Lebens. Dass Ordensleben in der jetzigen Form sich zurückziehen wird  und, dass sich neue Formen des “charisma-tischen Einbruchs” hervortun werden auf eine Art, die für die nächsten paar Jahrhunderte beherrschend sein wird.

 Das Aufkommen der neuen kirchlichen Bewegungen deuten möglicherweise an, dass der “charisma-tische Impuls” jetzt im Begriff ist, in die Welt einzubrechen. Während diese neuen Bewegungen nicht ohne ihre Probleme und Schwierigkeiten sind, gibt es dort doch zwei Aspekte, die der Überlegung wert sind:  Viele dieser neuen Bewegungen sind

inklusiv für viele Lebensstände –ledig, verheiratet, klerikal, Ordensleben

man muss die gegenwärtige Lebensaufgabe nicht verlassen, um das betreffende Charisma zu leben .

 Ein kräftiges Charisma ist dann stark, wenn es, entflammt von der Leidenschaft für Gott und Leidenschaft für die Menschheit, flexibel sein, viele Lebensentwürfe einschliessen und sich ihnen anpassen kann.

 Einer unterstützenden Autonomie und Gegenseitigkeit entgegen

Diese Einsichten haben die Josephitinnen angespornt, mit Gruppen zusammen zu gehen, die diese Aspekte zeigen. Wir sind als Kongregation aufgerufen, echte Autonomie im Ausdruck von Spiritualität im Leben und in der Sendung von Laien, wie diese durch die Linse des josephitischen Charismas gesehen wird, zuzulassen.

 Josephite Community Aid (Josephitische Gemeinschaftshilfe) ist eine Freiwilligengruppe von jungen Erwachsenen, die von einer Föderationsschwester der Josephitinnen gegründet worden war. Jetzt wird diese geleitet und organisiert von einer Körperschaft von erwachsenen Laien, die Land gekauft, Lieferwagen angeschafft und einen Laien als Koordinator angestellt haben, um diesen freiwilligen Dienst an Flüchtlingen und geistig behinderten Menschen in einigen Stadtteilen von Sydney wahrzunehmen. Die Schwestern haben keinerlei Besitz in diesem Unternehmen, sondern bleiben weiterhin in einer unterstützenden Funktion.

 Josephite Associate Network Incorporated ist eine Gruppe von Josephiten Assoziierten in Queensland. Es ist eine bürgerliche Körperschaft, separat von der Kongregation, aber mit einem Memorandum der Verständigung.  Diese Gruppe wurde erst kürzlich gegründet. Ihr Ziel ist es, gute Werke auf gewissen Gebieten unter dem josephitischen Charisma in Zusammenarbeit mit der Kongregation zu verrichten; sie sind aber finanziell und zivilrechtlich unabhängig.

Diese Vielzahl von verschiedenen Laiengruppen, die als autonome Ausdrucksweisen des josephitischen Charismas heraustreten, ist eine ständige Herausforderung an die Schwestern der Kongregation, den Beitrag der Laien zur Verstärkung der göttlichen Sendung durch die Inspiration der seligen Mary MacKillop und dem Charisma der Schwestern des hl. Josef zu realisieren. Es ist nicht nur, weil wir diese neue Energie in den Laien unterstützen müssen, sondern auch, weil dies unverzichtbar ist zur Klärung unserer Identität als Ordensleute. Wir brauchen die je andern, die gegenseitige Interaktion mit dem Anderssein, die verschiedenen Ausdrucksweisen unseres Charismas und die Art, wie wir dieses ausdrücken, um zu verstehen, wer wir als Ordensleute in dieser Bewegung sind.

 Neue Konzepte: Josephiten Bewegung

Die Idee der “Josephiten Bewegung” ist eines der neuen Konzepte, die wir erforschen. Eine Bewegung konzentriert sich auf das gemeinsame Charisma und den gemeinsamen Geist.  Sie lässt verschiedene Ebenen der Zugehörigkeit, eine Vielzahl von unabhängigen Lebensweisen zu, über das Ordensinstitut, seine Assoziationen und Affiliationen hinaus. Eine Bewegung kann alle diese Gruppen um das gemeinsame Charisma herum in Beziehung zueinander halten. Es kann sogar möglich sein, dass eine josephitische Laiengruppe Mitglieder anderer Bekenntnisse und Religionen aufnimmt, die das Charisma als ihrem eigenen Geist verwandt empfinden.

 Weitere Herausforderungen

Was für Prozesse könnten Kongregationen in Gang setzen, um sich auf die Förderung echter Autonomie zum Ausdruck ihres Charismas für Laien hin zu bewegen?

 Zweifellos ist dieser Weg weiterhin mit Fragen und Herausforderungen beladen, die einzeln und zusammen mit Gruppen von Ordensleuten und Laien angegangen werden müssen. Ich glaube jedoch, dass der Auftrag Gottes heute wirklich besser wahrgenommen werden kann, wenn Ordenskongregationen viel Energie und Priorität dem Erkennen dieses 'Zeichens der Zeit', das unter uns aufbricht, zuwenden.  Das erinnert mich an das Sandkorn in der Auster, das sich allmählich in seiner Umgebung in eine Perle verwandelt.  Tatsächlich, ‘seht, Gott schafft etwas Neues' unter uns.

 

 



[1] Religious Life: Where to from here and for whom?  An Address to the Leadership of the Religious Sisters of St. Joseph, Sydney, Australia  May 2005  by Rev. David Ranson Catholic Institute of Theology, Sydney


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